Permalink

0

Spielende Kinder – ein Vorwort von Ulrike Schönig

Für die März/April-Ausgabe des Findorff Magazins verfasste Ulrike Schönig das Vorwort zu einem Thema, das von immer größerer Bedeutung wird. Die gesamte Ausgabe können Sie hier nachlesen.

„Spielende Kinder – oder: Wem gehört der öffentliche Raum?“

Wenn sich die fif-Kinder aus der Herbststraße morgens nach dem Kita-Frühstück auf den Weg zum Spielplatz begeben, heißt es: aufpassen! Schließlich müssen die Kleinen zwei Straßen überqueren, bis sie den Spielplatz in der Herbststraße erreicht haben.

Gemeinsam mit den Erzieherinnen gehen die Kinder in Zweierreihen bis zur ersten Straßenecke. Dort bleiben sie stehen und warten, bis die Erzieherinnen das Prozedere einleiten: „Wir schauen nach links, wir schauen nach rechts, wir schauen wieder nach links, Arme hoch, Schulterblick, kommt kein Auto… und rüber.“

Auf diese Weise überqueren die Kinder zwei Straßen, bis sie beim Spielplatz Herbststraße angekommen sind. Den Arm heben die Kinder, damit sie von den Autofahrern zwischen den parkenden Autos gesehen werden. Sie müssen sich bemerkbar machen. Die meisten Autofahrer halten an und lassen die Kinder passieren. Die Kinder bedanken sich für diese Geste und laufen los.

Die fif-Kinder „verschwinden“ auf diese Art und Weise, gemeinsam mit vielen anderen Kindern, die in Findorff wohnen, auf das umzäunte Areal, dass wir Spielplatz nennen. Aber der öffentliche Raum – also die Straße, die Parkplätze und ein Teil der Bürgersteige – steht den Kindern als Spielraum nicht zur Verfügung. Selbst die Plätze, die gerade nicht von einem parkenden Auto beansprucht werden, halten wir für Autos frei. Übrigens, ein Fahrzeug, das privat genutzt wird, steht durchschnittlich 23 Stunden am Tag rum.

Es besteht unter den Findorfferinnen und Findorffern eine große Einigkeit darüber, dass es im Stadtteil zu wenig Spielfläche für Kinder gibt. Herzaubern kann man die Fläche sicher nicht, aber vorhandene Flächen könnten umgewidmet werden, z. B. durch ein absolutes Halteverbot vor den Kitas, vor dem Hort und in dem Teil der Lohmannstraße, der zur Schule Admiralstraße führt. Platz zum Parken finden die Anwohner und Anwohnerinnen der Herbststraße und der Lohmannstraße auf dem Findorffer Marktplatz. Dies könnte ein Beitrag sein, den Kindern einen Teil des öffentlichen Raums zurückzugeben und die Lebensqualität im Quartier zu verbessern.

Einige Autofahrerinnen und Autofahrer müssten dann allerdings einige Minuten von ihrem Auto bis zu ihrer Wohnungstür zu Fuß gehen.

Ihre
Ulrike Schönig

Titelbild und Vorwort Findorff Magazin März/April 2018

Titelbild und Vorwort Findorff Magazin März/April 2018

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.